Verkehrsunfälle, ein Höllentrip und magische Orte (Teil 1)
Nun, da ich jetzt wieder in Wien bin und schnelles Internet habe, reiche ich ein paar Geschichten, vor allem aber Fotos nach. Zugegeben, etwas wenig Berichte, aber es war nicht immer leicht ein adäquates Cybercafe zu finden und vor allem die Zeit und Ruhe um Geschichten zu schreiben.
Am 5. September bin ich aus Libreville hinaus, Richtung Tchibanga. Das geht so von statten: Aufstehen im Motel im Stadtteil Charbonnages um 0500, hinaus auf die Strasse mit Sack und Pack, Taxi organisieren. Um die Uhrzeit nicht ganz so einfach, ich habe jedoch etwas Glück. Vor einem Häuserblock pennt ein Fahrer der auf seine Ablöse wartet. Ich wecke ihn auf und schlage ihm ein "course" - also Fahrt nur mit mir ohne Umwege und ohne Mitnahme weiterer Kunden am Weg. Kosten: 3500 FCFA und Abfahrt. Fahrziel: PK8 "Marché des bananes". Dort ist der zentrale Ausgangspunkt für alle Taxifahrten aus der Stadt. Am Weg dorthin erzählt mir der Fahrer von drei Unfällen während der Nacht, darunter ein wirklich unglücklicher. Ein Parkplatzwächter schläft während seines Dienstes ein, wacht auf als ein Auto gestohlen wird. Jedoch zu spät - der Autodieb fährt davon. Der Wächter - dienstbefliessen - springt in eines der geparkten Autos und verfolgt den Bösewicht. Während der Verfolgungsjagd verursacht er einen Unfall und verletzt sich selbst dabei schwer. Zwischen mir und dem Taxifahrer besteht Eingikeit: nach moralischen Gesichtspunkten richtig gehandelt, jetzt ist er jedoch definitiv "dans la merde": zwei Autos zu Schrott gefahren, Dieb weg, gestohlenes Auto weg, er selbst verletzt und wahrscheinlich Zahlungen bis ans Lebensende. Am Weg zum PK 8 sehen wir besagtes Unfallauto, zu 2/3 über die Leitplanke hängend.

Reiseagentur
Es ist jetzt knapp 6 Uhr und wir kommen am Marché des bananes an.
Ich taumle mit meine 27 Kilogramm Rucksäcken aus dem Taxi, zahle und keine Sekunde später ist schon der erste "chargeur" da, um mich nach dem Fahrziel zu fragen. "Tchibanga" sage ich, er und sein Kollege nehmen mir die Rucksäcke ab und führen mich zur zuständigen Spedition. Dort bezahle ich 20.000 FCFA und warte bis 8 Uhr, bis alle Pickups gefüllt sind. Am Ende werde ich einem Auto zugewiesen und ab gehts. Vorne 6, hinten auf der Ladefläche 3 Personen plus allerlei Gepäck. Wahrscheinliche Fahrtdauer: 9 Stunden. Der Fahrstil unseres Fahrers erscheint mir angesichts der Strassenverhältnisse etwas zu aggressiv... Resultat nach Kilometer 300: Kühler kaputt im Irgendwo im Nirgendwo im Dschungel. Wer probieren will, den Ort auf Google Earth zu finden, soll sein Glück mit Fougamou versuchen. Gut, wir bleiben stehen, ein Streit entbrennt zwischen Fahrer und Mechaniker.
Es fährt im übrigen immer ein Mechaniker mit. Casteur, der Fahrer, wirft seinem Cousin, dem Mechaniker, vor, den Kühler an einer Seite nicht mit zwei, sondern lediglich einer Schraube befestigt zu haben und tatsächlich, durch die rüde Fahrweise auf wirklich üblen Strassen scheint der Kühler dahin zu sein. Mit all den anderen Fahrgästen entsteht ein Tohuwabohu, irgendwo im Gerede über Ursachen, Wirkungen und Konsequenzen drücke ich Casteur meine Wasserflasche in die Hand. Er beruhigt sich für einen Augenblick und füllt den Kühler.
Hohohoo... Jipieieh Schweinebacke... Ein Riesenloch im Schlauch aus dem eine Fontäne spritzt, aus dem Kühler selbst tropft es auch heraus wie in einem Tröpferlbad. Casteur springt wutentbrannt mit dem ausgebauten Kühler in das nächste vorbeifahrende Auto, das nach 30 Minuten vorbeigekommen ist. Er erklärt kurz, dass er weiß, dass es in Fougamou eine kleine Werkstatt gibt. Ob die allerdings Kühler schweissen können, weiß er leider nicht. Er wird auf alle Fälle nach einer Lösung suchen. Hier sitzen wir nun, ein kleines Häufchen Reisender im Nirgendwo.
Gleich werden Geschichten erzählt, unter anderem dass hier eine Elephantengegend sein und Waldelephanten mit besonderem Engagement auf Autos losgehen, soferne sie die Strasse queren.
Serge, der Lehrer, verbreitet mit besonders schwarzen Humor positive Stimmung, indem er mit unheilvoller Stimme wie in einer schwarz-weissen Edgar Wallace-Verfilmung singt: "C´est la malaria qui nous attend, c´est la malaria qui nous attend..." Die Stimmung ist am Tiefpunkt, aber hier ist er wieder, der afrikanische Langmut. Nach einiger Zeit finden wir unseren Humor wieder und wir lachen gemeinsam über die eine oder andere witzige Geschichte.

Casteur (r.) und sein Cousin (l. der Mechaniker) wieder entspannt nach 5-7 Stunden Reparatur
Nach wahrscheinlich 4 Stunden Wartezeit auf Casteur (meine Uhr trage ich schon längst nicht mehr) reißt mir der Geduldsfaden. Wo auch immer er ist, es wird noch länger dauern. Ich kündige an, mit dem nächstbesten vorbeifahrenden Auto nach Fougamou zu fahren, um dort etwas Essbares und Getränke zu besorgen. Ich denke vor allem an die junge Mutter und die alte Bürgermeisterin. Von all den anderen Männern verschwendet keiner auch nur einen Gedanken an unsere mitreisenden Frauen. Gesagt getan, nach 20 Minuten kommt ein Prado vorbei, das Auto ist zwar nahezu voll, der freundliche Mann nimmt mich aber trotzdem mit. Ich nehme bei Walter hinten auf dem Notsitz Platz, irgendwie nuschelt der Bursche, zunächst denke ich an einen Sprachfehler, jetzt weiß ich aber warum: er bietet mir Palmwein aus dem 5 Liter-Kanister zwischen seinen Beinen an. Na gut, ein Schluck aus Respekt. Beim Absetzen des Kanisters ertönt auf einmal ein gellender, nicht näher einordenbarer Schrei einer offensichtlich gequälten Kreatur aus dem Kofferraum.
"Putain, c´est quoi ca la derrière? Tu transportes ta belle-mère la derrière?" Walter grunzt unter Einwirkung des Palmweins, der Rest der Besatzung lacht mit, wohl etwas erstaunt über so eine Meldung eines Weissen. "Non, il y a deux chevrons" Aha... Funkelnagelneuer Toyota Prado mit 2 Zicklein im Kofferraum.

Friday, Kellnerin in Fougamou

Serge, der Lehrer (1 v.l.) und Autor (r.) bei harmlosen Späßen mit Friday, Kellnerin in Fougamou

Pascal, der Bordmechaniker, bei der Arbeit

Objekt des Grauens: der kaputte Kühler nach dem Ausbau

Beladen unseres Pickups in Libreville (LBV)
Am 5. September bin ich aus Libreville hinaus, Richtung Tchibanga. Das geht so von statten: Aufstehen im Motel im Stadtteil Charbonnages um 0500, hinaus auf die Strasse mit Sack und Pack, Taxi organisieren. Um die Uhrzeit nicht ganz so einfach, ich habe jedoch etwas Glück. Vor einem Häuserblock pennt ein Fahrer der auf seine Ablöse wartet. Ich wecke ihn auf und schlage ihm ein "course" - also Fahrt nur mit mir ohne Umwege und ohne Mitnahme weiterer Kunden am Weg. Kosten: 3500 FCFA und Abfahrt. Fahrziel: PK8 "Marché des bananes". Dort ist der zentrale Ausgangspunkt für alle Taxifahrten aus der Stadt. Am Weg dorthin erzählt mir der Fahrer von drei Unfällen während der Nacht, darunter ein wirklich unglücklicher. Ein Parkplatzwächter schläft während seines Dienstes ein, wacht auf als ein Auto gestohlen wird. Jedoch zu spät - der Autodieb fährt davon. Der Wächter - dienstbefliessen - springt in eines der geparkten Autos und verfolgt den Bösewicht. Während der Verfolgungsjagd verursacht er einen Unfall und verletzt sich selbst dabei schwer. Zwischen mir und dem Taxifahrer besteht Eingikeit: nach moralischen Gesichtspunkten richtig gehandelt, jetzt ist er jedoch definitiv "dans la merde": zwei Autos zu Schrott gefahren, Dieb weg, gestohlenes Auto weg, er selbst verletzt und wahrscheinlich Zahlungen bis ans Lebensende. Am Weg zum PK 8 sehen wir besagtes Unfallauto, zu 2/3 über die Leitplanke hängend.

Reiseagentur
Es ist jetzt knapp 6 Uhr und wir kommen am Marché des bananes an.
Ich taumle mit meine 27 Kilogramm Rucksäcken aus dem Taxi, zahle und keine Sekunde später ist schon der erste "chargeur" da, um mich nach dem Fahrziel zu fragen. "Tchibanga" sage ich, er und sein Kollege nehmen mir die Rucksäcke ab und führen mich zur zuständigen Spedition. Dort bezahle ich 20.000 FCFA und warte bis 8 Uhr, bis alle Pickups gefüllt sind. Am Ende werde ich einem Auto zugewiesen und ab gehts. Vorne 6, hinten auf der Ladefläche 3 Personen plus allerlei Gepäck. Wahrscheinliche Fahrtdauer: 9 Stunden. Der Fahrstil unseres Fahrers erscheint mir angesichts der Strassenverhältnisse etwas zu aggressiv... Resultat nach Kilometer 300: Kühler kaputt im Irgendwo im Nirgendwo im Dschungel. Wer probieren will, den Ort auf Google Earth zu finden, soll sein Glück mit Fougamou versuchen. Gut, wir bleiben stehen, ein Streit entbrennt zwischen Fahrer und Mechaniker.
Es fährt im übrigen immer ein Mechaniker mit. Casteur, der Fahrer, wirft seinem Cousin, dem Mechaniker, vor, den Kühler an einer Seite nicht mit zwei, sondern lediglich einer Schraube befestigt zu haben und tatsächlich, durch die rüde Fahrweise auf wirklich üblen Strassen scheint der Kühler dahin zu sein. Mit all den anderen Fahrgästen entsteht ein Tohuwabohu, irgendwo im Gerede über Ursachen, Wirkungen und Konsequenzen drücke ich Casteur meine Wasserflasche in die Hand. Er beruhigt sich für einen Augenblick und füllt den Kühler.
Hohohoo... Jipieieh Schweinebacke... Ein Riesenloch im Schlauch aus dem eine Fontäne spritzt, aus dem Kühler selbst tropft es auch heraus wie in einem Tröpferlbad. Casteur springt wutentbrannt mit dem ausgebauten Kühler in das nächste vorbeifahrende Auto, das nach 30 Minuten vorbeigekommen ist. Er erklärt kurz, dass er weiß, dass es in Fougamou eine kleine Werkstatt gibt. Ob die allerdings Kühler schweissen können, weiß er leider nicht. Er wird auf alle Fälle nach einer Lösung suchen. Hier sitzen wir nun, ein kleines Häufchen Reisender im Nirgendwo.
Gleich werden Geschichten erzählt, unter anderem dass hier eine Elephantengegend sein und Waldelephanten mit besonderem Engagement auf Autos losgehen, soferne sie die Strasse queren.
Serge, der Lehrer, verbreitet mit besonders schwarzen Humor positive Stimmung, indem er mit unheilvoller Stimme wie in einer schwarz-weissen Edgar Wallace-Verfilmung singt: "C´est la malaria qui nous attend, c´est la malaria qui nous attend..." Die Stimmung ist am Tiefpunkt, aber hier ist er wieder, der afrikanische Langmut. Nach einiger Zeit finden wir unseren Humor wieder und wir lachen gemeinsam über die eine oder andere witzige Geschichte.

Casteur (r.) und sein Cousin (l. der Mechaniker) wieder entspannt nach 5-7 Stunden Reparatur
Nach wahrscheinlich 4 Stunden Wartezeit auf Casteur (meine Uhr trage ich schon längst nicht mehr) reißt mir der Geduldsfaden. Wo auch immer er ist, es wird noch länger dauern. Ich kündige an, mit dem nächstbesten vorbeifahrenden Auto nach Fougamou zu fahren, um dort etwas Essbares und Getränke zu besorgen. Ich denke vor allem an die junge Mutter und die alte Bürgermeisterin. Von all den anderen Männern verschwendet keiner auch nur einen Gedanken an unsere mitreisenden Frauen. Gesagt getan, nach 20 Minuten kommt ein Prado vorbei, das Auto ist zwar nahezu voll, der freundliche Mann nimmt mich aber trotzdem mit. Ich nehme bei Walter hinten auf dem Notsitz Platz, irgendwie nuschelt der Bursche, zunächst denke ich an einen Sprachfehler, jetzt weiß ich aber warum: er bietet mir Palmwein aus dem 5 Liter-Kanister zwischen seinen Beinen an. Na gut, ein Schluck aus Respekt. Beim Absetzen des Kanisters ertönt auf einmal ein gellender, nicht näher einordenbarer Schrei einer offensichtlich gequälten Kreatur aus dem Kofferraum.
"Putain, c´est quoi ca la derrière? Tu transportes ta belle-mère la derrière?" Walter grunzt unter Einwirkung des Palmweins, der Rest der Besatzung lacht mit, wohl etwas erstaunt über so eine Meldung eines Weissen. "Non, il y a deux chevrons" Aha... Funkelnagelneuer Toyota Prado mit 2 Zicklein im Kofferraum.

Friday, Kellnerin in Fougamou

Serge, der Lehrer (1 v.l.) und Autor (r.) bei harmlosen Späßen mit Friday, Kellnerin in Fougamou

Pascal, der Bordmechaniker, bei der Arbeit

Objekt des Grauens: der kaputte Kühler nach dem Ausbau

Beladen unseres Pickups in Libreville (LBV)
Afrodisiakum - 6. Sep, 14:04
