Freitag, 17. September 2010

Verkehrsunfälle, ein Höllentrip und magische Orte (Teil 2)

Irgendwann nach 20 Minuten werde ich vom Toyota Prado dann wunschgemäß vor einem Greisler abgesetzt, mache die paar Besorgung und trabe wieder in afrikanischem Tempo Richtung Hauptstrasse. Ich kreuze eine Autowerkstatt, die muss mir am Hinweg entgangen sein. Jedenfalls zangelt dort ein Mechaniker an einem Auto herum, ich rufe hinüber:
„Salut, Papa! T´as vu le Casteur?“ « Qui, quoi ?! » « Le mec en t-shirt rouge, la panne a 11 kilomètres d´ici avec le radiateur cassé ! » « Ah...oui, oui, il vient de retourner vers le carrefour. » « Merci papa, bonne journèe »
Gut, immerhin war Casteur schon hier, kein schlechtes Zeichen.
Und tatsächlich, ich treffe ihn an der Hauptstrasse. Kühler notdürftig geflickt.
Im selben Augenblick kommt Anicet, mitleidender und mitreisender Polizeischüler. Er hat von unserem defekten Pickup Autostopp hierher gemacht.
Er erklärt mir, dass er sich Sorgen um mich gemacht hätte und mich suchen wollte. Gut, nett aber hinfällig, jetzt haben wir uns hier ja alle getroffen. Schön langsam wird es hier dunkel, es wird Nacht.
Casteur zieht per Autostopp Richtung Auto ab, um den Kühler einzubauen.

reise
Mitreisende, ziemlich fertig, nach unzähligen Stunden des Wartens

Anicet und ich bleiben und genehmigen uns derweilen die Biere.
Nach den ersten Schlucken wandert auf einmal ein afrikanischer Zwerg vorbei, kein Pygmée, ein Liliputaner. „Freunde, habt ihr nicht ein Bier für mich?“ Anicet wehrt ab, ich rufe ihm aber zu: „Bleib hier, mein Freund, hier das Bier!“ In einem Satz leert er meinen Rest der Flasche, bedankt sich artig mit einem breiten grinsen und watschelt davon. Keine drei Minuten später wandert ein 14-jähriger Bursche vorbei, einen jungen Schimpansen auf der Schulter. Ich denke mir nur, es gibt magische Orte, gute und böse. Der böse Ort war der der Panne, noch zwei andere Fahrzeuge hatten dort eine Panne. Und hier nun der gute Ort.

1287
weiteres Pannenfahrzeug

unfall
Unfall eines Autos des Telekomunternehmens ZAIN.
Ist zwar auf der Route nach Mayumba geschehen, passt aber zum Beitrag. Drive carefully on slippy roads... Insgesamt habe ich zwei verunfallte ZAIN-Autos gesehen. Die Burschen waren immer zu schnell unterwegs.

Ich nehme den Schimpansen auf die Schulter, spiele mit ihm. Irgendwann will er dann wieder zu seinem „Vater“. Wir sprechen angeregte 10 Minuten mit dem jungen Mann, er erzählt uns, er hätte ihn gefunden und seit einigen Monaten aufgezogen. Wie auch immer, Anicet git ihm wichtige Tips wie Impfung, Ernährung und… er müsse auch ein Weibchen für ihn finden. Hoho. Ich erkläre ihm, hier wieder der Europäer in mir, für den der Profit im Vordergrund steht, dass er ein Goldnugget auf der Schulter hätte, er müsse ihn aufziehen und könne dann mit Leichtigkeit Geld mit Touristen machen, mit Fotos und so weiter.
Er nimmt die Ratschläge dankend an und geht ab.
In der Zwischenzeit ist das Auto dann doch repariert, wir treffen uns alle wieder und gehen noch einige Bierchen trinken. Ich weiß nicht mehr wann, aber nach in etwa 23 Stunden kommen wir endlich in Tchibanga an.

mouila
Am Weg: Mouila bei Nacht


tchibanga
Endlich angekommen: Gare routière in Tchibanga

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