Montag, 30. August 2010

Moanda, die Gesetze des Taxifahrens und noch ein Zeck

Nun bin ich seit Samstag in Moanda, eine Stadt die von Mangan-Förderung (COMILOG), Zuckerproduktion und Fischzucht lebt. Einen Touristen würde es wohl eher nach Franceville ziehen, Moanda ist in etwa 60 Kilometer entfernt. Das Taxi Moanda-Franceville kostet in etwa € 2,-
Obwohl ich bereits ein diffuses Gefühl für Preise und Distanzen habe, werde ich die ungeschriebenen Gesetze des Taxifahrens wohl bis zum Ende nicht ganz begriffen haben. Auf alle Fälle funktioniert diese Art der Fortbewegung ganz hervorragend. Jede Art des Eingreifens mittels Einführung eines öffentlichen Verkehrs würde unweigerlich einen gut funktionierenden Markt zerstören. Bei der heutigen Fahrt zu der Chute de Poubara habe ich mir erneut einen Zeck eingefangen, diesmal habe ich ihn jedoch rasch entdeckt und er konnte keine Süssblut-Happy hour auf meine Kosten machen. Und jetzt weiss ich es ganz sicher: man dreht ihn gegen den Uhrzeigersinn heraus.

Samstag, 28. August 2010

Grüne Mambas und ecklige Dschungel-Zecken

Also die Sache ist so: nach Lambaréné bin ich nach Libreville zurück.
Ehrlicherweise muss man sagen, das diese Stadt eine Portemonnaie-saugende, Budgetvernichtende... übrigens wie viele *Grosstädte dieser Welt. übrigens, mir gehts gut und ich bin wieder da. Ok, nichts wie raus hier.
Und zwar mit dem Transgabonais - also dem Zug - nach Lopé in den Nationalpark. Zugfahren ist nicht ganz so einfach, man muss im Voraus buchen, eine Entscheidung treffen zwischen 1. 2. oder VIP-Klasse treffen. Also Dienstags morgen ab in den Zug. Eine wahrlich sensationelle Fahrt, nicht nur landschaftlich, sondern auch die Passagiere betreffend. Im Zugrestaurant trinke ich ** Bier mit ein paar Gabunern, die nach Koulamoutou arbeiten fahren und sich noch schnell einen hinter die Binde giessen. In Lopé steige ich mit ein paar anderen Weissen aus, 2 Pärchen. Wir schleppen uns gemeinsam Richtung Dorfzentrum, wo wir uns wie geplant in ein "Chambres de passage" einnisten, will heissen (auf der Tastatur gibt es kein scharfes "s") eine Holzbarracke. Kosten? €7,-
Sodann beginnen die schzeren Verhandlungen und das Gefeilsche mit den Parkrangern, den "Guides". Nun, es gäbe mehrere Möglichkeiten und Touren, erstaunlicherweise entsdcheide ich schneller als die sich beratenden Pärchen. Das Biwak im Regenwald zieht mich magisch an.
Am Abend gehe ich noch lokal Essen, ein paar Bier zwitschern und ein paar Einheimische kennenlernen. Nächsten Morgen um 8h00 gehts los, nach Mikongo. Janvier und Jérémy sind unsere Guides. Nqch einer &-stündigen Autofahrt gehts schnurstracks ca. 2 Km in den Regenwald, an einem Fluss schlagen wir unser Camp auf. Die Burschen haben alles mit und bereiten uns ein luxuriöse Abendessen. Davor waren selbstredend Gorillas auf der Spur; laut Janvier gibt es in der Lopé an die 2.000 Gorillas. Ohne in gesehen zu haben, waren wir bis auf 10 Meter an einem Silberücken dran - die weitere Verfolgung wurde durch eine Herde Waldelefanten verhindert. Janvier bläst den Weitermarsch ab,
er erkennt, dass wir nicht nur einen Waldelefanten vor uns haben, sondern 8 bis 10. Zu gefährlich, wir kehren ins Camp zurück und verbringen die Nacht in einer phantastischen Geräuschkulisse.
Was ich bisher nicht erwähnt habe:ich verbringe das Biwak mit 2 Israelis. Also das muss man sich ja auf der Zunge zergehen lassen: ein österreicher mit zwei Israelis in Gabun auf Gorilla-Tracking...
Der ganze nâchste Tag dient der Völkerverständigung mit Janvier unter reichlicher Zuführung von Gerstensaft. Nun sind wir Freunde.
Am nächsten Tag gehts wieder mit dem Transgabonais weiter nach Franceville. Im Zug treffe ich wieder Sandra, die Zugbegleiterin. Mit ihr steige ich schon vor Franceville in Moanda aus, sie zeigt mir ein anständiges €7,- Hotel. Abends verbringen wir in Franceville, hehe.
Morgen gibts dann Verschiedenstes zutun, die >Ausflüge ins Umland organisieren und ähnliches mehr, vor allem aber schnelleres Internetz finden, ich kann hier leider keine Fotos hochladen. Das tut mir auch ewig leid, denn ich hätte ein Foto, auf dem eine grüne Mamba eine Eidechse erwischt, ist mir am Weg zum Bahnhof in Lopé über den Weg gelaufen, ca. 2 Meter entfernt. Der Dschungel-Zeck ist ein Mitbringsel aus Lopé, hat es sich in meiner Leistengegend über die Nacht gemütlich gemacht und sich einige Seidln meines Blutes genehmigt. Habe ihn heute rausgedreht - stimmt das mit "gegen den Uhrzeiger sinn überhaupt? - auf alle Fälle ist er draussen, der Blutsauger.

Samstag, 21. August 2010

Ein Taxi nehmen oder The First Clash of Cultures

"Ick bin oin Libreviller" frei nach JFK. Nun, heute um ziemlich exakt 1.40 Uhr bin ich in Libreville Flughafen Leon M'Ba angekommen.
Das ganze nach doch immerhin mehr als 24 in einem Zustand irgendwo zwischen einer 48 Stunden Bundesheerübung in Allentsteig und einer schwer durchzechten Nacht. Im Flieger verabschiede ich noch Jean, den Kongolesen, der weiter nach Kinshasa fliegt. Zum Abschied drückt er mir eine Bibelinterpretation der Geschichte von David und Goliath in die Hand und wünscht mir Gottes segen. Da ist sie wieder: die Bibeltreue der Afrikaner!
Passkontrolle und die üblichen Formalitäten verlaufen normal. Vor dem Flughafen dann doch die lang ersehnte Zigarette. Den ersten Zug nehme ich unter heftigen Werbungsversuchen der etlichen Taxifahrer, die ich jedoch mit einer Geste abwimmle. Als ich die Zigarette ausdämpfe und zum nächstbesten Fahrer gehe, werde ich eines besseren belehrt: jener, der mich als erstes angesprochen hat, hat das Vorrecht auf die Fahrt und nicht jener, der als erster in der Reihe steht. Würde ich in Wien das vierte Taxi in der Reihe nehmen, ich würde vermutlich gelyncht werden. Ich beuge mich dem Willen und wir fahren in die Pension. Noch 2 Bier und gute Nacht...

Nach dem Aufstehen und Frühstück gehts rein in den Kleinstadt-Dschungel. Aufträge: Geld wechseln, SIM-Karte besorgen und in der Stadt orientieren. Dummerweise ist Samstag und ausnahmlos alle Banken haben geschlossen. Im Hotel Le Meridien kann ich dann doch zu einem vernünftigen Kurs wechseln. In der Lounge spricht mich ein Malier an, er ist auf Hadj nach Mekka und fliegt morgen ab, er hätte noch viel, viel zu viele FCFA, der Franc der zentralafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft. Nun, da der Deal nach meinem Wechselkurs läuft, machen wir das Geschäft. Zumindest bin ich jetzt zahlungsfähig.
Nun eigentlich hat er mich ja nicht aus heiterem Himmel angesprochen, sondern ich treffe den Burschen des Telekomunternehmens ZAIN wieder, wo ich meine SIM-Karte gekuft habe. Da mein Handy gesperrt war und die ZAIN-SIM-Karte nicht akzeptiert hat, musste ich es selbst entsperren. Ich habe dem jungen Burschen www.entsperren.at gezeigt und im Nu war das Mobiltelefon entsperrt und der junge Mann schwer beeindruckt. "Ooh, mais je peux faire du fric avec ca!" "Oui, mon Cher, dans ce cas la, tu me paie une provision maintenenant..." und wir lachen herzlich gemeinsam.
Mein Zimmer ist durchaus akzeptabel; dennoch bin ich froh, morgen aus der Stadt zu kommen. Ich werde morgen nach Lambarene fahren, dort, wo seinerzeit Albert Schweitzer ordiniert hat.

Hier noch einige Impressionen:

Photo-008
Der Wachhund der Pension

Ich gebe es zu? keine tolle Impression, jedoch schliesst jetzt das Internet-Cafe und eine Mama sitzt mir schon im Nacken.

Bis bald, slt, euer Afrodisiakum

Dienstag, 17. August 2010

Reise- und andere Fieber

Ja, jetzt hat es mich wieder, das Reisefieber. Und nein! Es geht nicht nach Mallorca oder Hurghada... Familie, Freunde und Bekannte wissen, wohin die Reise geht. Nach Gabon und Sao Tomé&Principe. In erster Linie ist dieser Blog auch für diese Menschen gedacht, damit sie wissen, wo ungefähr ich im Dschungel aufhältig bin...Und vielleicht dann und wann zumindest für ein paar Momente den grauen Alltag hinter sich lassen können. Wann immer möglich, werde ich über den Blog Nachrichten und Kommentare, Fragen und so weiter beantworten.
Für alle anderen des www: hier steht alles über die Zielgebiete

http://de.wikipedia.org/wiki/Gabun
http://www.sao-tome.st/
http://www.sao-tome.com/deutsch/index.htm

Was zieht einen Mitteleuropäer in derartige Gefilde, mag sich der eine oder andere Leser fragen? Natur, Natur, die Menschen, die Kultur, Abenteuer, Exotik und...AFRIKA... Das gibt es unter anderem dort zu sehen, abseits jedes Mainstream- oder Massentourismus:

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Mandrill

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Waldelefant

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Gabon/Ikengue

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Sao Tomé

Der Blog hat auch den Sinn, dem unkundigen Leser zwei Länder Afrikas in positivem Lichte näherzubringen. Afrika ist nicht nur der 4K-Kontinent (Kriege, Krisen, Krankheiten, Katastrophen), wie leider nur allzu gerne und zu oft in westlichen Medien dargestellt. Es gibt auch die wunderbaren, schönen, berauschenden und verzaubernden Seiten dieser faszinierenden Erdscholle.
Und vielleicht findet ja der/die eine oder andere Geschmack daran.
Naheliegenderweise ist mir nicht bekannt, wie die Internetz-Infrastruktur im Landesinneren sein wird.
In den Städten sehe ich die Sache wohl entspannt, aber sonst...? Auf alle Fälle werde ich mich bemühen, zumindest jeden zweiten bis dritten Tag zu bloggen, sollte dies nicht geschehen, bedeutet das noch lange nicht, dass ich von einem wilden Affen gebissen wurde und mit hämorrhagischem Fieber dahinsieche. Es wird lediglich bedeuten, dass ich vor einem Commodore 64 irgendwo in der Pampa oder sonstwo sitze und schlicht und einfach nicht ins Internetz komme.

Das berühmt-berüchtigte Ebola-Virus, schuldig vor dem Herrn und Auslöser des gleichnamigen Fiebers, sieht im Übrigen so aus

Ebola_virus_em

Was derzeit allerdings in Gabon offenbar grassiert, ist das Chikungunya-Fieber. Wobei "grassiert" wohl unweigerlich an eine Epidemie denken lässt, tatsächlich sind es an die hundert marginale Fälle. Klingt verheerend, ich würde es allerdings mit einer Grippe vergleichen. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn schließlich ist jetzt zumindest theoretisch Winter in Gabun, auch als Trockenzeit bezeichnet. Da fällt mir im Zusammenhang mit Jahreszeiten ein, dass Gabun eines jener elf Länder ist, durch welches der Äquator läuft.
Im Gegensatz zum Ebola-Virus sieht das Chikungunya-Untier doch gleich viel liebenswerter aus, nämlich rundlich und somit dem Kindchenschema näherliegender

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Aus der lokalen Sprache Makonde übersetzt, bedeutet dies in etwa "gebeugter Mann" oder so ähnlich. Das kommt daher, dass man elende Gelenksschmerzen erfährt und sich sodann lediglich in gekrümmter Körperhaltung zu seinem Arzt oder Apotheker bewegen kann. Der einem dann aller Wahrscheinlichkeit nach Aspirin und einen Krückstock verschreibt... Das sieht dann in etwa so aus

RCKENS-1

Wirklich üble Fälle werden wohl einen Rollstuhl benötigen.

Nun, ich will hier nicht weiter Schrecken verbreiten und darf auf die ersten vier Fotos weiter oben verweisen, zur Entspannung... Und sollte jetzt jemand erhebliche Zweifel haben, gleich nach meiner Rückkehr mit mir ein Bier trinken zu gehen, so kann er ja die Inkubationszeit abwarten. Denn auch bei uns gibt es ja jährlich etliche Grippe-Tote, TBC, Schweine- und Vogelgrippe, seit neuestem ein neues Superbakterium namens NDM-1 und ähnliche Unbill mehr. Und eigentlich will ich ja die "4K" vergessen machen...

Das ist mein letzter Eintrag aus Österreich, wir lesen uns voraussichtlich am 21.08 in Libreville

slt, euer Afrodisiakum

P.S. Reisefieber lässt sich übrigens hervorragend mit einem kühlen Bier lindern...*hicks*

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